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Ein Community Manager-Sonntag

Ein Community Manager-Sonntag

Community Manager – so lautet meine Berufsbezeichnung und ja, das ist ein wirklicher Beruf. Nur kaum jemand kann sich darunter etwas vorstellen und mit jemand meine ich insbesondere den nicht-online-affinen Teil meines Freundeskreises, die „Analogen“, die Offliner.

Es ist Wochenende, aber bekanntlich interessiert das die Communities dieser Welt reichlich wenig – online ist immer und überall. Ich bin verabredet mit Freunden zum gemütlichen Sonntagsfrühstück. Wir sitzen in der Sonne, trinken Kaffee und lachen gemeinsam. Dann, ganz langsam, ganz heimlich schaltet sich die „alltägliche automatische Facebook“-Erinnerung in meinem Kopf an. Erste Versuche diese zu ignorieren, schlagen fehl und das Klingeln wird lauter.

Hilft alles nichts, wie ferngesteuert und dabei so unauffällig wie möglich sucht meine Hand in den unendlichen Weiten meiner Tasche nach dem Smart-Phone. Okay, dem Blick meiner besten Freundin nach zu urteilen, ist  die als „nach-etwas-ganz-unbedeutendem-suchen-und-dabei-unschuldig-gucken“-getarnteMission zum Scheitern verurteilt. Also bekenne ich mich zu meiner „Sucht“ und tauche ein – Scheuklappen, Tunnelblick, Ohren auf stumm. Nur schnell mal schauen, ob alles passt und friedlich ist. „We don’tlike Shitstorms on a Sunday“ von „I’m a nerd and I like it“ wäre ein passender Songtitel für diesen Moment.

Kunde 1 – alles gut, puh!

Kunde 2 – *scroll, scroll, scroll* – Nein, das sieht nicht gut aus, gar nicht gut. Schnell gedanklich Situation einschätzen, Notfall-Plan durchgehen. In der Zwischenzeit wird von meinem Drumherum erklärt: „Ja, Kristin arbeitet mit Facebook“.

„Ich muss eben telefonieren und eine Mail schreiben“, versuche ich mich zu rechtfertigen.
„Wie jetzt? Kann das nicht warten?“
„Nein, wir haben eine Krise auf Facebook.“
„Krise auf Facebook!?!“

Ich ernte Missverständnis und verstörte Blicke – Ich bin der Störenfried des heiligen Sonntags.

Erste Reaktionen auf den betreffenden Post, die Lage spitzt sich zu. Die Krisenstabssitzung mit dem Kunden endet mit dem Satz „ Ja, Kristin, du formulierst bitte etwas und schickst es rum!“ Okay formulieren…formulieren und rumschicken. Worte suchen, eintippen, ärgern über das T9 des Smartphones, per Mail und SMS an den Verteiler senden, auf Rückmeldung warten. In der Zeit des Wartens abwesend am Tisch sitzen und hin und wieder die Pinnwand überprüfen.

„Hör mal, das ist doch nur Facebook, davon geht doch die Welt nicht unter!“

Ich denke nach über diesen Satz – eigentlich ist das gar nicht so falsch, zumindest manchmal, zumindest am Wochenende einfach mal die tickende Facebook-Zeitbombe abzuschalten.

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